Sehr geehrter Herr Professor!
Als ich mir Ihre Seite über die Folge
von drei Buchstaben innerhalb eines Wortes angesehen habe, ist mir eine kleine
Unrichtigkeit aufgefallen: Laut Ihrer Seite ließ man vor der sogenannten
Rechtschreibreform bei drei aufeinanderfolgenden Buchstaben einen
aus, z.B. Brennessel statt Brennnessel, Schiffahrt statt Schifffahrt usw.,
außer, wenn darauf ein Mitlauter folgt, z.B. nicht Sauerstofflasche,
sondern Sauerstoffflasche (weil man sonst möglicherweise Sauerstoff-Lasche
lesen könnte); nicht Fettropfen, sondern Fetttropfen (Fett-Ropfen
[?]). Das ist soweit richtig.
Allerdings galt (und gilt) das auch vor der
"Reform" nur für Mitlauter, bei drei aufeinanderfolgenden
Selbstlautern dagegen wurde mit Bindestrich getrennt, z.B. Hawaii-Inseln statt
Hawaiinseln oder Hawaiiinseln; See-Elefant statt Seelefant oder Seeelefant.
Die bewährte Rechtschreibung vermeidet
drei aufeinanderfolgende Buchstaben wegen der schlechten Lesbarkeit: das
nur selten vorkommende Schriftbild könnte den Lesefluß hemmen. Das
Auslassen eines MITLAUTES verändert den Wortsinn und die Aussprache
(normalerweise; siehe unten) nicht: Jeder wird Schiffahrt immer als Schiff-Fahrt
erkennen, auch wenn sie nur mit zwei f geschrieben wird. Bei Silbentrennung
am Wortende wird der Buchstabe natürlich wieder hinzugesetzt:
Man trennt dann "Brenn-nessel"; "Schiff-fahrt".
Wenn aber Mißverständnisse möglich
sind, werden die drei Buchstaben trotzdem ausgeschrieben, weil zum
Beispiel "Sauerstoff-Lasche" gelesen werden könnte, schreibt
man eben "Sauerstoffflasche"; weil man das "Bettuch"
sowohl als "Bett-Tuch" als auch als "Bet-Tuch" (der Juden)
erfassen könnte, schreibt man im zweiten Fall mit Bindestrich ("Bet-Tuch").
(Siehe "Der Große Duden", zehnte Auflage
Bibliographisches Institut, Leipzig 1930; S. 14*.)
Völlig anders verhält es sich mit
den Selbstlautern: Man liest "Hawaiinseln" anders als "Hawaii-Inseln",
"Seelefant" oder gar "Seeelefant" anders
als "See-Elefant". Um hier die Trennung des zweiten, Anfangs-
vom ersten, gestreckten, Endlautes deutlichzumachen, MUSZ hier ein Bindestrich
gesetzt werden, will man die Lesbarkeit nicht aufs Spiel setzen.
Die sogenannte Rechtschreibreform hat also
in dieser Beziehung, wie auch in vielen andern, nur Verwirrung geschaffen,
wo vorher Klarheit war. Durch Wörter wie "Flussschifffahrt"
oder "Hawaiiinseln" wird der Lesefluß erheblich behindert;
unsinnige Bindestriche wie bei "Fluss-Schiff-Fahrt" oder "Brenn-Nessel"
sind nicht aussprachewiedergebend und wirken der Entwicklung
der deutschen Schriftsprache entgegen, die sein ungefähr Mitte des
19. Jahrhunderts immer mehr dahingeht, die Wörter zusammenzuschreiben.
Eine dritte Kategorie sind die drei Ausnahmen
"Mittag", "dennoch" und "Dritteil", die
traditionell nur mit zwei aufeinanderfolgenden Mitlauten in der Mitte geschrieben
werden, wobei der dritte auch bei Trennung entfällt: "Mit-tag",
"den-noch", "Drit-teil". Aus "Dritteil",
früher auch "Drittheil", wurde "Drittel". (Siehe
Dr. Konrad Duden: "Vollständiges Orthographisches Wörterbuch
der deutschen Sprache", fünfte Auflage, Bibliographisches Institut,
Leipzig und Wien 1897; S. IX.)
Meine Erklärung ist nun doch länger
geworden als sie eigentlich angedacht war - und ich als 17jähriger
Schüler glaube auch nicht, Ihnen, dem Universitätsprofessor, etwas
Neues gesagt haben zu können, deshalb möge an dieser Stelle auch
eine kleine Entschuldigung Platz finden, daß ich Ihre kostbare Zeit
für etwas so Unwichtiges in Anspruch genommen habe: Verzeihen Sie mir
bitte!
Hochachtungsvoll
Ihr Yannick Spies.
NS.: Wenn Sie eine Übersetzung ins Englische
wünschen, wenden Sie sich einfach an mich!